Freitag, 21. Juni 2024

Konstrukt Wuppertal

Wir verlassen den Rhein und fahren ins Rheinische Schiefergebirge an die Wupper nach Barmen, neben Elberfeld die Wiege der deutschen Frühindustrialisierung. Mit anderen Städten und Gemeinden 1929 zum Kunstnamen" Wuppertal" vereinigt. Wuppertal ist ziemlich langezogen: 15 km an der Wupper. Vorwerk und Bayer sind hier gegründet worden. Das Manchester Deutschlands. Wasserkraft für Textilmühlen und Blasebälge für Schmieden, Kohle, Eisenerz und Holz waren hier im Übermaß vorhanden und beförderten die Mechanisierung. Die Bilder von "North and South" (2004) springen mir in den Kopf. Pauperismus, brennende soziale Probleme, Streiks und Fortschrittsglaube treffend von Elisabeth Gaskell beschrieben.
Wir fahren mit der Magnetschwebebahn, die mangels Platz über den Fluss gebaut wurde, von der Endhaltestelle Oberbarmen (in der Nähe kostenloses P&R Parken) zur wunderschönen Jugendstil Haltestelle Werther Brücke und besuchen das Museum Schwebodrom. 
Friedrich Engels ist in Barmen als Sohn eines Texitlfabrikanten geboren.
Wir werden beim Durchwandern der Einkaufsmeile Barmen-Werth in die Wirklichkeit geholt. Die Traditions- Fußgängerzone wird von Pfennig- bzw. 1-EUR-Billig-Ramsch-Läden bestimmt. Ein Taschenladen, eine Bäckerei, ein Optiker halten sich tapfer. Die Stadt scheint gekippt zu sein. 

Wir schauen uns an und beschließen die Stadtbesichtigung abzubrechen. Es ist im 2ten Weltkrieg zuviel zerbombt und dann zu schnell banal wieder aufgebaut worden zu sein. Industriebrachen, Baraken, heruntergekommene Mietshäuser. Von den Gründerzeit-Villenvierteln sind wir weit weg. Hier fehlen gute Arbeitsplätze und gute städtebauliche Konzepte für eine Stadt, deren Einwohner zu 43% Migrationshintergrund haben. 
Margaret und Mr. Thornton aus dem imaginären Manchester finden am Ende von "North and South" doch noch zueinander. Gute Bildung, soziale Gerechtigkeit und Fortschrittsglaube lassen den Industrieadel und die Arbeiter ein einem Strang ziehen.
Wir fahren mit dem Bulli zum nächsten Rheinzufluss: der Ruhr in Essen.

Donnerstag, 20. Juni 2024

Köln - top Levis und Globetrotter

Nachdem wir die Gewissheit haben noch eine Nacht in Poll bleiben zu können: heute Radtour. Rechts am Rhein abwärts, über die Brücke in die Innenstadt. Unser Ziel: 2 Levis Jeans und Hemden für den Strauß kaufen. TOP Beratung bei Levis in der Schildergasse. Schräg gegenüber bei Ansons erfolgreicher Hemdenkauf mit guter Beratung. In den Straßen, die ziemlich radfahrerunfreundlich gestaltet sind, hören wir immer noch klasse schottischen Dialekt. Bei Globetrotter, beeindruckendes Kaufhaus 
(Richmodstraße 10, Köln), sind für mich nach 12 Jahren (!!) neue Badelatschen und eine Duschtasche fällig. Wenn wir gewollt hätten, dann hätten wir im shopeigenen Mini-See ein Faltboot ausprobieren können. 
Gute Stimmung in der Stadt - dank EM.

Mittwoch, 19. Juni 2024

Von Remagen nach Bonn

Bevor wir rheinabwärts fahren besuchen wir das Friedesnmuseum in Remagen, es wird geleitet von einem Verein, dem der linksseitige Brückenkopf gehört. Den auf der rechten Seite kann man für 1 EUR kaufen. 
In der Ausstellung geht es weniger um Frieden als vielmehr um die Eroberung der Brücke im März 1945 und die Verhinderung deren Sprengung durch die deutsche Armee. Wir können einen Besuch empfehlen. Alles sehr authentisch. Authentisch ist die Filmlocation von "Die Brücke von Remagen" nicht. Die war in der Tschechei an der Moldau. Nix Rheintal und nix Basaltklippe... und die Brücke sah auch anders aus. Seis drum.
Wir machen uns in die ehemalige Bundeshauptstadt auf. Wir finden zu Recht "ehemalige". Sorry Bonn, aber der Bundestag im Wasserwerk....
Sehr sehr zu empfehlen "Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland". Eintritt kostenlos. 4 Stunden reichen einfach nicht. 


Wir verpassen optisch die erste und zweite Halbzeit Ungarn gegen Deutschland. Im Radio hört sich die Moderatorenstimme meisterlich an. Wir hatten nicht auf dem Schirm, dass die Schotten heute gegen die Schweizer in Köln spielen. 
Wir hatten so was von Glück uns gerade noch auf den letzten Stellplatz zwischen schottische Camper in Köln/Poll quetschen zu dürfen. 

Dienstag, 18. Juni 2024

Vom Mittelrhein abwärts: Deutsches Eck und Remagen

Der Bulli ist wieder unterwegs. Wir fahren zur ureigensten deutschen Landschaft: dem Rheintal. Da wo die Mosel in den Rhein fliesst steigen wir ein und arbeiten uns in der deutschen Geschichte flussabwärts. 
Kaiser Wilhelm I hatte seinen Kopf in Koblenz am 16.März 1945 nach einem Artilleriebeschuss verloren. Das Deutsche Nationaldenkmal wurde wieder aufgebaut.
Ganz im Gegensatz zur Stahl-Brücke von Remagen die einen Tag später, am 17. März, zusammenkrachte. 
Eine Flutbrücke und die beiden Brückenköpfe aus Basaltgestein auf beiden Ufern des Rheins sind fast Lost Places. Es ist ein Museum auf der linken Rheinseite untergebracht.
Der amerikanische Spielfilm "Die Brücke von Remagen" ist von 1969 mit George Segal, Robert Vaughn u.a.; Musik von Elmer Bernstein.
Wir übernachten auf der Goldenen Meile, einem Campingplatz direkt am Rhein.
Die Gewitter oder unsere magnetische Antenne, die aussen auf der Bushaut klebt,  verhindern zunächst einen dvbt-2-Empfang. Aber die Portugisen haben eh kein Tor im EM-Spiel gegen die Tschechen in der ersten Halbzeit geschossen. Jetzt Bild: